Wer über uns spricht,
soll mit uns sprechen.
Nicht ohne uns ist ein Netzwerk, das von Erfahrungsexpertise getragen wird. Von Menschen, die in der Kinder- und Jugendhilfe leben oder gelebt haben. Wir arbeiten mit Fachpersonen, mit Interessensvertretungen und mit allen zusammen, die dieses Feld gestalten. Das Netzwerk ist gerade am Entstehen und der Kreis wächst.
viel gesprochen.
Wer wir sind
Wir sind Menschen, die als Kinder oder Jugendliche in der Kinder- und Jugendhilfe gelebt haben. In Krisenzentren und Wohngemeinschaften, bei Pflegeeltern, in ambulanter Betreuung oder mobilbetreteuten Formen. Manche von uns leben noch im Rahmen der Kinder- und Jugenhilfe, manche sind vor wenigen Jahren ausgezogen, andere blicken auf Jahrzehnte zurück.
Manche von uns leben gerade jetzt in einer Betreuungsform. In einer Wohngemeinschaft oder in einer Pflegefamilie, mitten im Alltag, über den hier gesprochen wird. Manche von uns haben Geschwister, die noch in Betreuung sind, und erleben das System weiter mit, obwohl die eigene Akte längst geschlossen ist. Und manche sind in einer Familie groß geworden, in der ein Pflegekind dazugekommen ist, und kennen die Kinder- und Jugendhilfe aus dieser Perspektive.
Betroffenheit beginnt nicht erst beim eigenen Bescheid und sie endet nicht mit dem Auszug.
Sie verläuft entlang von Beziehungen. Wer das erlebt hat, gehört zu uns.
Warum wir alle Phasen im Blick haben
Nicht ohne uns arbeitet nicht nur am Übergang in die Selbstständigkeit. Wir schauen auf die ganze Zeit davor, weil sich dort entscheidet, wie dieser Übergang ausgeht.
Wie viele Betreuungswechsel jemand hinter sich hat. Ob eine Einrichtung Beteiligung ernst nimmt oder nur dokumentiert. Ob ein Träger auf Personalmangel mit Aufbau oder mit Verlegung reagiert. Ob ein Bundesland Hilfen über das achtzehnte Lebensjahr hinaus finanziert. All das wird lange vorher entschieden und ist erst am Ende sichtbar.
Wie gut die Kinder- und Jugendhilfe arbeitet, zeigt sich am Ende. Verändern lässt sie sich nur vorher.
Dasselbe gilt für die Verländerung. Neun Bundesländer, neun Regelungen, neun Auslegungen davon, was einem jungen Menschen zusteht. Das betrifft nicht erst Care Leaver. Es betrifft jedes Kind, das heute in Betreuung lebt, und es hängt davon ab, wo es lebt.
Deshalb umfasst unsere Arbeit alle Phasen. Die Aufnahme, den Alltag in der Betreuung, jeden Wechsel, den Übergang und die Zeit danach. Wer nur das Ende bearbeitet, behandelt ein Symptom.
Erfahrung ist eine eigene Form von Wissen
Wer in der Kinder- und Jugendhilfe aufgewachsen ist, weiß Dinge, die in keinem Konzept stehen. Wie sich ein Hilfeplangespräch anfühlt, wenn alle anderen im Raum eine Ausbildung haben und man selbst dreizehn ist. Was ein Betreuungswechsel mit einem Menschen macht, auch wenn er auf dem Papier gut begründet ist. Warum manche Regeln getragen werden und andere nur Widerstand erzeugen. Wie lange ein einziger Satz nachwirkt, der bei einer Übergabe gefallen ist.
Dieses Wissen ist nicht dasselbe wie Fachwissen und es soll Fachwissen auch nicht ersetzen. Gleichzeitig lernt man in keiner Ausbildung, wie sich das eigene Durchleben der Kinder- und Jugendhilfe anfühlt. Es ist eine eigene Quelle. Es zeigt, wie fachliche Entscheidungen im Leben tatsächlich ankommen.
Erfahrungen mit Menschen zu teilen, die Ähnliches erlebt haben, schafft Zugehörigkeit.
Gemeinsam wollen wir einen Rahmen schaffen, in dem Menschen ihre eigene Geschichte erzählen und teilen können, so viel sie möchten. Austauschformate und Orte, online wie vor Ort, sind vielen aus unserer Community ein Anliegen. Das sehen wir als Auftrag.
Wir vertreten uns selbst, in Betreuung und danach
Nicht ohne uns ist eine Selbstvertretung. Menschen mit eigener Erfahrung sprechen hier für sich selbst und nicht über Umwege. Wir fassen Selbstvertretung aber weiter, als sie üblicherweise gedacht wird.
Wer heute in einer Wohngemeinschaft oder in einer Pflegefamilie lebt, weiß genau, was dort gut läuft und was nicht, und wird am wenigsten gefragt. Deshalb arbeiten wir von Anfang an mit jungen Menschen in Betreuung und nicht über sie.
Wir sind gerade in der Vernetzungsphase und treten Schritt für Schritt mit Jugendräten, Jugendparlamenten, Beteiligungsgremien in Einrichtungen und den Kinder- und Jugendanwaltschaften in Kontakt.
Mitreden darf niemals ein Risiko sein.
Wer in einer Einrichtung lebt, ist abhängig von den Menschen, die dort arbeiten. Beteiligung braucht deshalb Formen, in denen niemand Nachteile befürchten muss. Wie diese Formen aussehen, entwickeln wir gemeinsam mit jenen, die sie nutzen sollen.
Beteiligung endet nicht beim Zuhören
Beteiligung ist in der Kinder- und Jugendhilfe längst ein anerkannter Begriff. In der Praxis bedeutet sie oft, dass Betroffene eingeladen werden, etwas zu sagen, während die Entscheidung an einem anderen Tisch fällt. Wir werden angehört, bedankt und verabschiedet. Was mit dem Gesagten passiert, erfahren wir selten.
Eine Beteiligung, die man wieder zurücknehmen kann, war nie eine Beteiligung. Sie war eine Einladung.
Beteiligung heißt für uns, dass Menschen mit eigener Erfahrung nicht nur gehört werden, sondern mitentscheiden. Dass sie nicht am Ende eines Prozesses dazugeholt werden, sondern am Anfang dabei sind, wenn festgelegt wird, worüber überhaupt gesprochen wird. Und dass sie eine Rolle haben, die ihnen nicht jederzeit wieder entzogen werden kann.
Wer entscheidet und wer berät
Beteiligung ist eine Frage der Struktur und nicht nur der Haltung. Deshalb legen wir fest, wer bei uns entscheidet, bevor die ersten Entscheidungen anstehen.
Entschieden wird von Menschen mit eigener Erfahrung in der Kinder- und Jugendhilfe. Fachwissen holen wir uns dazu, verbindlich und von Anfang an. Dafür gibt es einen Fachbeirat aus Menschen, die in diesem Feld arbeiten, forschen, ausbilden und begleiten.
Der Fachbeirat entscheidet nicht mit. Er hat dafür Rechte, die über Anhören hinausgehen.
- Er kann Themen selbst auf die Tagesordnung setzen
- Seine Stellungnahmen müssen beantwortet und nicht nur zur Kenntnis genommen werden
- Er hat Rederecht in unseren Sitzungen
- Er wird am Anfang eines Vorhabens eingebunden und nicht am Ende zur Absegnung
Das sind genau die Rechte, die wir für Menschen mit eigener Erfahrung überall sonst einfordern. Was wir von anderen verlangen, muss auch bei uns gelten.
In der Kinder- und Jugendhilfe läuft Beratung in eine Richtung. Bei uns in beide.
Fachkräfte beraten junge Menschen, so ist dieses Feld gebaut. Bei uns bringen Fachkräfte ihr Wissen in unsere Arbeit ein und wir bringen unseres in ihre. Dass Fachkräfte hier nicht mitentscheiden, ist keine Zurücksetzung. In der Kinder- und Jugendhilfe entscheiden Fachkräfte an fast jedem Tisch. Dieser eine ist ein Ausgleich.
Gemeinsam arbeiten, nicht übereinander reden
Erfahrungswissen allein verändert wenig. Fachwissen allein auch nicht. Wir sind kein Kreis, der sich abschließt, und laden jene ein, die dieses Feld täglich gestalten.
Manche von ihnen sind jeden Tag dort, wo Kinder- und Jugendhilfe tatsächlich stattfindet, und sitzen trotzdem nicht am Tisch, wenn entschieden wird.
- Fachkräfte aus Wohngemeinschaften, Krisenzentren und ambulanten Hilfen
- Sozialarbeitende der Kinder- und Jugendhilfe
- Pflegeeltern mit ihrer eigenen und oft übersehenen Perspektive
- Jugendräte, Jugendparlamente und Beteiligungsgremien in Einrichtungen
Andere gestalten Rahmen, verantworten Strukturen und entscheiden über Geld. Auch sie gehören an diesen Tisch, in einer anderen Rolle.
- Kinder- und Jugendanwaltschaften und andere Interessensvertretungen
- Trägerorganisationen und ihre Leitungen
- Ausbildung, Lehre und Forschung
- Politik und Verwaltung in Ländern und Bund
Nicht ohne uns will das Rad nicht neu erfinden. Wir wollen zusammenbringen, was bisher nebeneinander läuft.
Es gibt Gremien, Vertretungen und Fachpersonen, die seit Jahren an diesen Fragen arbeiten. Viele sehen dieselben Probleme wie wir und stoßen an dieselben Grenzen. Was fehlt, ist ein Ort, an dem sie mit jenen zusammenkommen, um deren Leben es geht.
Unsere Arbeitsweise lässt sich in vier Worten zusammenfassen. Gemeinsam arbeiten, gemeinsam denken, gemeinsam entscheiden, gemeinsam strahlen. Erfahrungsexpertise gibt dabei die Richtung vor.
Was gerade entsteht
Nicht ohne uns ist am Entstehen. Der Kreis wächst, und vieles von dem, was hier steht, ist noch in Arbeit. Was schon feststeht, ist die Richtung. Wie die einzelnen Formate aussehen, entscheiden wir mit jenen, die dabei sind.
Zurzeit feilen wir an Workshops, die Erfahrungswissen und Fachpraxis zusammenbringen. Drei Richtungen zeichnen sich ab.
Für junge Menschen in Betreuung geht es darum, die eigenen Rechte zu kennen und anwenden zu können. Was steht mir zu, wie bereite ich mich auf ein Hilfeplangespräch vor, an wen wende ich mich, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Wer diese Workshops leitet, wie sie ablaufen und wie sie begleitet werden, ist gerade in Entwicklung. Uns ist eine sorgfältige und bedachte Umsetzung wichtiger als ein schnelles Angebot.
Für Teams, Einrichtungen und Ausbildungen entstehen Formate, in denen Erfahrungsexpertise nicht als Fallbeispiel vorkommt, sondern als Gegenüber. Wie kommt eine gut gemeinte Regel bei jenen an, für die sie gilt. Was löst ein Betreuungswechsel aus, den man fachlich für richtig hält. Wo endet Schutz und wo beginnt Kontrolle.
Und wir arbeiten an einer Begleitung für Menschen, die ihre eigene Erfahrung öffentlich einbringen wollen. Wie viel erzähle ich, wo ziehe ich eine Grenze, wie schütze ich mich davor, immer wieder nur die eigene Geschichte erzählen zu müssen.
Niemand soll sich jedes Mal emotional entblößen müssen, um ernst genommen zu werden.
Wer mitdenken oder mitbauen will, kann das ab jetzt tun.
Warum wir heißen, wie wir heißen
Über Kinder und Jugendliche in der Kinder- und Jugendhilfe wird viel gesprochen. In Fachtagungen, in Sitzungen, in Berichten, in Landtagen, in Redaktionen. Die Betroffenen selbst sitzen dabei meistens nicht im Raum. Ihre Perspektive wird eingeholt, zusammengefasst, weitergegeben und irgendwann von jemandem vertreten, der sie nicht erlebt hat.
Unser Name ist die Antwort darauf. Nicht ohne uns ist keine Drohung und kein Vorwurf. Es ist eine Bedingung. Wenn über die Kinder- und Jugendhilfe verhandelt wird, gehören jene dazu, die in ihr leben oder gelebt haben.
Gemeinsam tragen wollen, statt immer nur ertragen müssen.
Wer dazugehören kann
Wer eigene Erfahrung in der Kinder- und Jugendhilfe hat, gehört zu uns. Unabhängig davon, wie lange die Zeit zurückliegt, in welcher Betreuungsform sie stattgefunden hat und ob sie als gut oder als schwierig erinnert wird. Auch dann, wenn sie gerade jetzt stattfindet. Auch dann, wenn sie über ein Geschwisterkind, über die eigene Familie oder über ein gemeinsames Zuhause entstanden ist. Es braucht keine Vorgeschichte im Engagement und keine fertige Meinung.
Und wer in diesem Feld arbeitet, forscht, ausbildet, begleitet oder entscheidet und bereit ist, Erfahrungswissen als gleichwertig zu behandeln, ist ebenso willkommen.
Wir sind am Anfang. Wer jetzt dazukommt, baut mit.